Schönheitsideale und Essstörungen: Warum du kämpfst und wie du Frieden mit deinem Körper schließt

Wenn ich alte Fotos von mir anschaue, weiß ich noch genau, wie ich mich damals gefühlt habe. Ich stand vor dem Spiegel, habe meinen Bauch angestarrt und gehasst und mir gewünscht, dass er nur endlich dünner wäre. Und wenn ich mir diese Bilder heute anschaue, erschrecke ich, denn es war so gut wie kein Bauch mehr vorhanden.

Ich erinnere mich auch noch genau an die unzähligen Stunden, die ich damit verbrachte mich mit dünnen Schauspielerinnen, Models und - als es dann Instagram gab - Influencerinnen zu vergleichen. Überall sah ich makellose Körper, scheinbar perfekte Frauen, und in mir wuchs der Wunsch, genauso auszusehen – koste es, was es wolle. Dieser Wunsch führte mich in einen jahrelangen Kampf mit meinem Körper. Ich zwang mich zu strengen Diäten, verbot mir bestimmte Lebensmittel, ließ Mahlzeiten aus und als mein Körper irgendwann nicht mehr konnte und ich Essanfälle hatte, brach ich alles wieder aus.

Heute weiß ich: Der Hass auf meinen Körper, lag nicht an mir. Es lag an einer Gesellschaft, die uns von klein auf einredet, dass wir erst dann wertvoll sind, wenn wir einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen. Doch die Wahrheit ist: Diese Ideale sind nichts als Illusionen – und sie treiben unzählige Frauen in Essstörungen und Selbstzweifel.

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Schönheitsideale unsere Beziehung zum Essen und zum Körper beeinflussen – und wie du dich davon lösen kannst.

Schönheitsideale: Warum sie so gefährlich sind

Die Mode- und Beautyindustrie diktiert seit Jahrzehnten, was als „schön“ gilt, aber eines bleibt immer gleich: Sie vermittelt uns, dass wir nicht gut genug sind.

In den 90ern galt das extreme „Heroin Chic“ als das Schönheitsideal schlechthin. Dann kam der Trend zu kurvigeren Körpern, die aber trotzdem einen flachen Bauch und trainierte Beine haben sollten. Heute ist es der „Clean Girl“-Look – makellose Haut, ein schlanker, aber definierter Körper, natürliche Schönheit, die jedoch trotzdem immer perfekt inszeniert ist. All diese Trends haben eines gemeinsam:

Sie setzen unrealistische Maßstäbe, die für die meisten Menschen unerreichbar sind.

Gerade für Frauen, die zu Perfektionismus oder Unsicherheiten neigen, kann das verheerende Folgen haben:

  • Vergleich und Selbstzweifel: Ständige Konfrontation mit bearbeiteten Bildern führt dazu, dass wir unseren eigenen Körper als „nicht gut genug“ empfinden und der Druck entsteht „perfekt“ sein zu müssen.

  • Gestörte Körperwahrnehmung: Des weiteren führt der Vergleich mit bearbeiteten Bildern dazu, den eigenen Körper anders- und meistens als hässlich -  wahrzunehmen, als er in Wirklichkeit aussieht.

  •  Angst vor Veränderung: In einer Gesellschaft, die Schlanksein glorifiziert und gleichsetzt mit Erfolg und Glücklichsein, kann bereits eine kleine Gewichtszunahme zu Selbsthass und Angst führen.

  •  Kontrollverhalten beim Essen: Wenn alles im Leben unsicher scheint, kann das Essverhalten zum einzigen Bereich werden, in dem man Kontrolle empfindet – sei es durch extremes Hungern oder durch emotionale Essanfälle.

  • Verlust des natürlichen Körpergefühls: Diäten und Selbstoptimierung führen dazu, dass wir nicht mehr auf unseren Körpersignale hören, sondern nach äußeren Regeln essen.

Die Mode- und Beautyindustrie lebt von diesen Unsicherheiten. Denn eine Frau, die sich nicht gut genug fühlt, kauft mehr „Schönheits“produkte, mehr Kleidung, probiert jede neue Diät aus – immer auf der Suche nach dem „perfekten“ Ich, das es so nie geben wird.

Wie du dich von Schönheitsidealen befreien kannst

Der Weg aus dieser Abhängigkeit ist nicht einfach - aber er ist möglich. Hier sind einige Schritte, die dir helfen können:

1. Erkenne, dass das Schönheitsideal eine Illusion ist

Hinter jedem perfekten Bild steckt Retusche, gutes Licht und ein professionelles Team. Kein Model sieht in Wirklichkeit so aus, wie es in Magazinen oder auf Instagram dargestellt wird. Selbst die „natürlichsten“ Fotos sind oft bearbeitet. Perfektion ist eine Illusion. Erlaube dir, das zu hinterfragen und erkenne, dass dein Wert nicht von deinem Aussehen abhängt.

2. Umgib dich mit realistischen Körperbildern

Entfolge Accounts auf Social Media, die dich in den Vergleich treiben oder dir das Gefühl geben, nicht genug zu sein. Suche stattdessen nach Accounts, die dich nicht unter Druck setzen. Folge Frauen mit unterschiedlichen Körperformen, die Selbstliebe und Körperakzeptanz leben oder die dich mit etwas ganz anderem als dem Thema Körper und Aussehen inspirieren.

3. Lerne, deinen Körper zu respektieren

Dein Körper ist nicht dein Feind, er ist dein Zuhause – er trägt dich durchs Leben, atmet für dich, lässt dich fühlen und lieben und er verdient es, mit Liebe und Respekt behandelt zu werden. Anstatt ihn immer wieder zu bestrafen, frage dich: Wie kann ich gut für ihn sorgen? Was braucht er wirklich? Bewegung, die ihm guttut? Nahrung, die ihn stärkt? Ruhe und Selbstfürsorge?

4. Verbinde dich mit deinen echten Bedürfnissen

Hinter Essstörungen steckt oft ein tieferes, emotionales Thema. Vielleicht hast du Angst, nicht geliebt zu werden, wenn du nicht entsprechend aussiehst? Vielleicht fühlst du dich nicht gesehen? Essen (oder Nicht-Essen) kann ein Ventil sein, um diese Emotionen zu unterdrücken. Statt dein Essverhalten zu kontrollieren, frage dich: Was brauche ich wirklich, um mich gesehen zu fühlen? Welche Art von Beziehung möchte ich mit mir selbst, aber auch anderen leben? Was ist mir wichtig in Freundschaften/Partnerschaften?

 5. Werde aktiv gegen toxische Schönheitsnormen

Sprich über das Thema und unterstütze Marken, die Diversität fördern. Je mehr wir uns gegen toxische Schönheitsnormen wehren, desto eher kann sich etwas ändern.

Du bist genug – so wie du bist. Ich weiß, dass es manchmal schwierig ist diesen Satz wirklich zu glauben, aber er ist wahr.

Ich habe jahrelang damit vergeudet mich zu hassen und mir dir schlimmsten Dinge zu sagen und ich wünschte Ich hätte früher verstanden, dass Schönheit nicht in einer Kleidergröße oder einem flachen Bauch liegt. Dass mein Wert nicht von meinem Gewicht abhängt. Dass ich nicht perfekt sein muss, um geliebt zu werden, sondern, dass es mein Strahlen ist, was andere Menschen an mir lieben. Meine innere Freude, meine Lebenslust, meine Tiefe, mein Mitgefühl, mein Wissensdrang, einfach gesagt mein Sein.

Und genau das möchte ich dir heute mit auf den Weg geben:

Du bist genug. Dein Körper ist genug. Dein Wert liegt nicht in deinem Aussehen – sondern in dem, was du bist.

Falls du gerade kämpfst, erinnere dich daran: Du bist nicht allein. Es gibt einen Weg hinaus. Und du bist es wert, ihn zu gehen. Und wenn du für diesen Weg Unterstützung möchtest, dann melde dich bei mir für ein kostenloses Klarheitsgespräch, in welchem wir herausfinden, wo du gerade stehst, was du brauchst und wir den Weg gemeinsam aus der Essstörung gehen können.

Es ist nicht immer leicht, aber es ist´s so wert!

Alles Liebe

Deine Julia

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