Wie du deinem inneren Kritiker begegnen kannst – Strategien gegen Selbstkritik und negative Gedanken

Kennst du diese Stimme in deinem Kopf, die dir ständig sagt, dass du nicht gut genug bist? Die dir einredet, dass du scheitern wirst, dass du falsch bist oder dass du erst dann wertvoll bist, wenn du eine bestimmte Zahl auf der Waage erreichst oder dein Körper so aussehen wird, wie du das willst?

Diese Stimme – deine innerer Kritiker – ist unglaublich mächtig und sie begleitet nicht nur dich, sondern auch viele andere Menschen mit Essstörungen, geringem Selbstwertgefühl oder einem angespannten Verhältnis zu ihrem Körper.

Die gute Nachricht ist, dass du lernen kannst, mit diesem inneren Kritiker umzugehen, sodass er nicht mehr dein Leben bestimmt. In diesem Artikel zeige ich dir Strategien, um Selbstkritik zu begegnen und negative Gedanken in etwas Kraftvolles zu verwandeln.

Warum ist unser innerer Kritiker so laut?

Meistens hat unser innerer Kritiker seinen Ursprung in unserer Vergangenheit. Er hat sich entwickelt durch Dinge und Sätze, die uns von unserem Umfeld, in welchem wir aufgewachsen sind, mehrfach gesagt wurden. Vielleicht hast du als Kind Sätze gehört wie:

  • „Streng dich mehr an!“

  • „Du bist zu laut!“

  • „Du musst dich besser benehmen!“

  • „Schau mal, deine Schwester/ Bruder hat das aber besser gemacht.“

Diese Worte bleiben tief in unserem Unterbewusstsein verankert und formen unsere Glaubenssätze – also unser Weltbild darüber, was wir über die Welt und uns selbst glauben. Diese wiederum beeinflussen unsere Gedanken, unser Verhalten und letztendlich unser Selbstbild.

Gerade wenn du mit einer Essstörung zu kämpfen hast oder hattest, kennst du es vielleicht: Dein innerer Kritiker nutzt negative Gedanken, um dich in bestimmten Verhaltensmustern zu halten. Er macht dich klein, verunsichert dich und verstärkt das Gefühl, dass du nicht „gut genug“ bist, dass du nicht essen darfst oder zu viel isst. Dass dein Körper schrecklich ist und dass du es nie schaffen wirst ein Leben ohne Essstörung zu leben.

Die Wahrheit jedoch ist-

Dein innerer Kritiker ist nicht dein Feind. Er ist nur ein Teil von dir – und du kannst lernen, anders mit ihm umzugehen.

5 Strategien, um deinem inneren Kritiker zu begegnen

1. Werde dir bewusst, wann dein innerer Kritiker spricht

Der erste Schritt zur Veränderung ist immer Bewusstheit. Achte darauf, wann und in welchen Situationen dein innerer Kritiker besonders laut wird.

  • Gibt es bestimmte Trigger - also Momente/Wörter/Gerüche/Geräusche/Orte, in denen er sehr laut wird?

  • Welche Worte oder Sätze wiederholen sich immer wieder?

  • Wie fühlt sich dein Körper an, wenn dein innerer Kritiker spricht?

Beobachte dich für ein paar Wochen und schreibe diese Gedanken auf. Was auch hilfreich sein kann, ist ein Gedanken-Tagebuch, durch welches du Muster erkennen und dich von den negativen Stimmen distanzieren kannst.

2. Gib deinem inneren Kritiker eine Identität

Klingt vielleicht verrückt, aber: Gib deinem inneren Kritiker einen Namen oder stelle ihn dir als eine bestimmte Figur vor.

  • „Ach, da ist wieder Frau Perfektionismus.“

  • „Ach Bullshit Gerhard – da bist du ja wieder.“

Durch das Personifizieren dieses Anteils, schaffst du Abstand zwischen dir und der kritischen Stimme und wirst dir in Situationen, in denen die Stimme wieder enorm laut ist, bewusst, dass es nicht „du“ bist, die dich gerade kritisiert, sondern es nur ein alter Glaubenssatz ist, der vorbeizieht.

3. Stelle deinen inneren Kritiker in Frage

Wenn dein innerer Kritiker sich meldet, frage dich:

  • Ist das wirklich wahr?

  • Würde ich das meiner besten Freundin sagen?

  • Wer sagt das – mein wahres Ich oder meine Angst?

Wenn man sich in Ruhe hinterfragt, merkt man oft, dass die Gedanken gar nicht der Realität entsprechen. Sie sind nur alte Muster, die du nicht mehr brauchst.

4. Finde eine neue, unterstützende innere Stimme

Statt dich von negativen Gedanken bestimmen zu lassen, über immer wieder umzuswitchen und bewusst eine neue, liebevolle Stimme in dir zu stärken. Überlege dir dafür Dialoge und Konter, die du auf Kommentare des inneren Kritikers geben kannst.

Wenn dein innerer Kritiker zum Beispiel sagt:
„Du hast wieder versagt.“

Kannst du ihm bewusst entgegenhalten:
„Ich gebe mein Bestes, und das reicht.“

Diese positiven Dialoge können am Anfang ungewohnt sein und sich komisch anfühlen, aber glaub mir, je mehr du übst und dich darauf einlässt, desto mehr programmierst du mit der Zeit dein Unterbewusstsein neu. Lies dazu auch gerne den Artikel über Affirmationen.

5. Entwickle Mitgefühl für dich selbst

Vielleicht hast du jahrelang versucht, dich selbst durch Kritik zu motivieren – aber das hat nur mehr Druck und Selbsthass erzeugt. Wenn es dir bis jetzt nicht gut getan hat, dann probiere etwas Neues aus.

Stell dir vor, du würdest mit einem kleinen Kind sprechen, das traurig ist. Würdest du es anschreien oder ihm liebevolle Worte sagen?

Lerne, mit dir selbst sanft umzugehen:

  • Sprich mit dir wie mit einer guten Freundin.

  • Erlaube dir Fehler, ohne dich selbst abzuwerten.

  • Feiere deine kleinen Fortschritte – sie sind wertvoll!

Dein innerer Kritiker muss nicht dein Feind sein und du bist ihm nicht hilflos ausgeliefert.

Ja, er wird nicht über Nacht verschwinden, aber du kannst lernen, ihn nicht mehr so ernst zu nehmen und ihm nicht mehr zu glauben. Je mehr du ihn immer wieder hinterfragst und dich immer wieder daran erinnerst, dass du bestimmen kannst, was du denken willst, umso schwächer wird er.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dieser Weg Zeit braucht. Aber du bist nicht allein – und du kannst es schaffen! Erkenne, dass du wertvoll bist – genau so, wie du bist.

Ohne Perfektion, ohne Diäten, Essanfälle und Hungern, ohne harte Selbstkritik und wenn du Unterstützung dabei möchtest, bereit bist den Selbsthass und den inneren Kritiker endlich hinter dir zu lassen, dann melde dich jederzeit bei mir für ein kostenloses Klarheitsgespräch, in welchem wir herausfinden, was dich momentan noch blockiert und wie du ein freies und glückliches Leben gestalten kannst.

Es ist nicht immer leicht, aber es ist’s so wert!

Bis dahin alles Liebe

Deine Julia

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