Der Einfluss von Familie und Freund:innen auf Essstörungen. Wie dein Umfeld deinen Heilungsweg prägt.
Kennst du diese Gedanken?
„Ich bin einfach nie genug“
„Ich bin nicht schlank genug“
„Ich bin nicht diszipliniert genug“
„Ich bin nicht interessant genug!“
Du bist nicht allein!
Ich kenne diese Gedanken und das Gefühl „nie genug zu sein“ nur zu gut. Ich habe lange Zeit damit gelebt und weiß wie viel Einfluss vor allem das Umfeld auf dieses Gefühl haben kann und wie oft man sich dessen gar nicht bewusst ist. Für den Weg aus der Essstörung (aber auch generell für ein wirklich gutes Leben) ist das eigene Umfeld jedoch entscheidend. Vielleicht hast du schonmal den Spruch gehört „Du bist die 5 Menschen, die dir am nächsten sind“.
Deshalb ist es wichtig die Dynamiken, um uns herum zu verstehen.
Familie: Die erste Prägung
Unsere Familie ist oft der erste Ort, an dem wir lernen, wie wir über uns selbst denken und wie wir mit Essen umgehen. Vielleicht kennst du Sätze wie:
„Hast du wirklich schon wieder Hunger?“
„Iss nicht soviel, sonst wirst du noch dick!“
„Du hast so ein schönes Gesicht, aber wenn du ein bisschen weniger wiegen würdest, wärst du noch schöner.“
„Das Essen ist wirklich nicht gesund, das solltest du nicht essen.“
Solche Aussagen können sich tief einprägen, vor allem wenn sie in der Kindheit oder Jugend geäußert werden, denn in dieser Phase ist man noch viel leichter beeinflussbar. Man weiß selbst noch nicht so genau, wer man ist, und versucht das manchmal an Hand anderer Meinungen herauszufinden. Manchmal sind es auch keine Worte, sondern Blicke, Gesten oder unausgesprochene Erwartungen, dass du anders sein oder Dinge anders machen solltest. Auch unausgesprochene Botschaften wie, die ständige Diät der Mutter oder ein Vater oder Großeltern, die das Gewicht anderer Menschen kritisch kommentieren, beeinflussen, wie wir uns selbst und unseren Körper wahrnehmen.
In meiner Familie waren Süßigkeiten unter anderem ein schlechtes Essen und selbst als Erwachsene aß ich sie nur heimlich oder wenn ich alleine war.
Freundinnen/Freunde: Der Spiegel unseres Selbstwerts
Unsere Freundinnen und Freunde können wie ein Spiegel für unser Selbstbild wirken. Vor allem in der Jugend üben sie einen enormen Einfluss aus. Kommentare wie:
„Du siehst toll aus, hast du abgenommen?“
„Ich könnte nie so viel essen wie du, ich würde sofort zunehmen.“
„Lass uns zusammen eine Diät machen!“
„O mein Gott ich bin so schwabbelig, ich muss dringend wieder Sport machen.“
Solche Aussagen können uns das Gefühl geben, dass unser Wert vor allem von unserem Körpergewicht abhängt. Freundschaften, die auf Oberflächlichkeiten basieren oder in denen enormer Fokus auf Äußerlichkeiten gelegt wird, verstärken oft die eigenen Unsicherheiten. Ich hatte eine sehr schlanke Freundin, die sich und ihre Figur immer wieder kritisierte, wenn sie ihr Sportpensum nicht geschafft hatte und sich dann als schwabbelig bezeichnete. Ich merkte, wie ich anfing mich mit ihr zu vergleichen und mich auch immer mehr kritisierte.
Vielleicht hast du auch solche Menschen in deinem Leben. Menschen, die dich lieben, aber nicht verstehen, was eigentlich in dir vorgeht und die unbewusst deine Unsicherheiten verstärken.
Der Teufelskreis: Einfluss und Isolation
Ein weiterer Aspekt, den viele nicht erkennen, ist, dass Essstörungen oft zu Isolation führen. Vielleicht hast du versucht dich zu öffnen und hast darauf aber Kommentare bekommen wie: "Iss doch einfach normal.", „Stell dich doch nicht so an, andere kriegens ja auch hin“, „Ist doch nur Essen!“
Solche Aussagen lösen Scham aus, ein Gefühl von Unverständnis und führen dazu, dass man sich zurückzieht und einsam fühlt.
Wie du den Einfluss deines Umfelds erkennen kannst
Vielleicht stellst du dir jetzt die Frage, wie du herausfinden kannst, ob dein Umfeld dich positiv oder negativ beeinflusst. Hier sind einige Fragen, die dir helfen können
Gibt es wiederkehrende Aussagen in deinem Umfeld, die dich verletzen und dein Selbstbild negativ beeinflussen?
Hast du das Gefühl, dass du dich verstellen musst, um dazuzugehören?
Verstärken Freundinnen/Freunde/Partnerinnen/Partner oder Familienmitglieder dein ungesundes Verhalten unbewusst?
Fühlst du dich von deinem Umfeld verstanden oder oft missverstanden?
Gibt es Menschen, bei denen du dich verstanden fühlst?
Diese Fragen und die Erkenntnis können manchmal wehtun, aber sie sind der erste Schritt, um Muster zu erkennen und zu ändern.
Wie du dein Umfeld für dich nutzen kannst
Es gibt auch eine gute Nachricht: Familie, Freund:innen und Partner:innen können auch enorm unterstützend sein auf deinem Heilungsweg sein. Erkläre ihnen offen, was du brauchst und was dir nicht gut tut. Es ist okay, Grenzen zu setzen.
Hier sind einige Tipps, wie du sie einbeziehen kannst:
Kommunikation: Erzähle ihnen offen, was du durchmachst und wie du dich fühlst. Oft fehlt es nicht an Mitgefühl, sondern an Wissen.
Grenzen setzen: Lass sie wissen, welche Kommentare oder Verhaltensweisen dir schaden und welche Aussagen dir helfen.
Unterstützung suchen: Bitte sie, dich bei gesunden Verhaltensweisen zu unterstützen – sei es, gemeinsam einen Spaziergang zu machen, dich aufzuheitern, wenn du einen schlechten Tag hast oder dich bei Arztbesuchen zu begleiten, wenn du das möchtest.
Positives Vorbild: Erkläre, wie sie dir durch ihren eignene positiven Umgang mit sich selbst und ihrem Körper Einfluss haben können, z. B. durch einen entspannten Umgang mit Essen, durch Gespräche über andere Themen als Essen, durch Lebensfreude, durch Körperrespekt
Du bist kein Opfer deiner Umstände
Der Einfluss von Familie und Freunden auf Essstörungen ist enorm – sowohl im Negativen als auch im Positiven. Doch das Wichtigste ist: Du bist deinem Umfeld nicht schutzlos ausgeliefert. Du hast die Möglichkeit, dein Umfeld bewusst zu gestalten und Freundschaften/Partnerschaften, die dir nicht gut tun zu beenden und andere, die dir gut tun zu vertiefen. Indem du dir der Dynamiken bewusst wirst, kannst du alte Muster durchbrechen und ein neues Kapitel beginnen.
Und wenn du Unterstützung von jemandem möchtest außerhalb deines Umfeldes, dann klicke hier für ein kostenloses Klarheitsgespräch, in welchem wir herausfinden, wo du gerade stehst und was du brauchst, um ein Leben in Freiheit und Lebensfreude zu leben.
Es ist nicht immer leicht, aber es ist´s so wert!!
Alles Liebe
Deine Julia