Wie du den Kampf gegen deinen Körper beenden kannst: Praktische Tipps für Selbstakzeptanz und Körperwahrnehmung

Viele Jahre fand ich meinen Körper einfach nur eklig und schämte mich für ihn. Er war einfach nie gut genug, nie schlank genug, nie straff genug, der Bauch nie flach genug, mein Po nie straff genug. Die Beziehung zu meinem Körper bestand über viele Jahre hinweg aus Kritik, Scham und dem Gefühl, nie gut genug zu sein. Vielleicht fühlst du dich genauso, als wärst du in einem endlosen Kampf mit deinem Spiegelbild gefangen. Aber ich möchte dir heute aus tiefstem Herzen sagen: Es ist möglich, Frieden mit deinem Körper zu schließen und ihn sogar wieder lieben zu lernen. Lass mich dir zeigen, wie ich es geschafft habe und wie auch du diesen Weg gehen kannst.

Warum ich weiß, wie schwer es ist

Ich habe über 20 Jahre mit verschiedenen Essstörungen gelebt. Ich war mehrgewichtig, untergewichtig, normalgewichtig. Doch egal welche Körperform ich hatte, es war immer die falsche. Die ständige Unzufriedenheit mit meinem Körper hat mich viele Jahre davon abgehalten mein Leben richtig zu leben und auch zu genießen. Doch mit viel Geduld, Selbstreflexion und Hilfe habe ich gelernt, meinen Körper endlich wieder als Verbündete anstatt als Feindin zu sehen.  Und das ist auch ein entscheidender Punkt: Gib dir Zeit!

Wenn du deinen Körper jahrelang gehasst hat, dann wirst du ihn wahrscheinlich nicht von heute auf morgen akzeptieren können. Es ist ein Prozess voller Höhen und Tiefen, aber ich kann dir ehrlich sagen: Ich liebe meinen Körper heute so, wie er ist. Gibt es Tage an denen er mir weniger gefällt? Ja. Bedeutet das, dass ich ihn schlecht behandele? Nein.Und genau das ist auch für dich möglich.

Praktische Tipps für mehr Körperliebe und Selbstakzeptanz

1. Nimm dir Zeit, deinen Körper wirklich wahrzunehmen

Ein wichtiger Schritt für mich war, überhaupt erst einmal in Kontakt mit meinem Körper zu kommen. Das bedeutet: Raus aus dem Kopf zu gehen. Denn die meiste Zeit leben wir so sehr im Kopf, dass wir unseren Körper völlig ignorieren – außer natürlich um ihn zu kritisieren und zu sagen, dass er anders sein sollte. Ich habe damit angefangen, mich täglich auf den Boden zu setzten oder legen und einfach nur meinen Körper zu spüren. Jedes einzelne Körperteil. Manchmal habe ich das mit der Anleitung einer Body-Scan-Meditation gemacht, manchmal lag ich einfach nur da und habe gespürt. Anfangs fühlte sich das total komisch an und mein Kopf schrie: „Was für eine Zeitverschwendung“,  aber je öfter ich es tat, desto wurde dieses kleine Ritual zu einem Moment der Verbundenheit. Probiere es aus – es kann dir helfen, deinem Körper wieder näherzukommen.

2. Hinterfrage die Geschichten, die du dir erzählst

Ich war jahrelang überzeugt, dass ich nur besonders bin, wenn ich schlank bin. Und irgendwann stellte ich mir die Frage: „Ist das wirklich wahr?“ Je öfter ich diesen Gedanken hinterfragte, desto öfter merkte ich, dass dieser Glaube aus alten Erfahrungen, die ich gemacht hatte und ganz klar gesellschaftlichen Idealen stammt – und nicht aus meiner wahren Essenz. Schreib dir einmal auf, was du über deinen Körper glaubst, und frage dich bei jedem Satz: "Würde ich so mit meiner besten Freundin sprechen?" Oft erkennen wir, wie hart wir zu uns selbst sind.

3. Finde Freude an Bewegung

Sport war lange Zeit ein Mittel um entweder noch mehr abzunehmen oder als Ausgleich für das, was ich gegessen hatte, um nicht zuzunehmen. Heute bewege ich mich, weil es mir guttut und es mir Spaß macht. Vor allem 5 Rhythmen tanzen, Hula Hoop und Spaziergänge. Der 5 Rhythmen Tanz – ein Tanz wo es nicht um Schritte geht, sondern um die Freude am Tanzen, hat mir so sehr geholfen Spaß an Bewegung zu finden, mich mehr mit mir selbst zu verbinden und ein besseres Körpergefühl zu bekommen und Bewegung nicht mehr als „Ich muss Kalorien verbrennen“ zu sehen.

Frag dich: Welche Form von Bewegung macht mir wirklich Spaß? Vielleicht ist es tanzen, klettern, Fahrradfahren, Rollerbladen oder einfach ein entspanntes Dehnen zu deiner Lieblingsmusik.

4. Lerne, dankbar für deinen Körper zu sein

Eine der kraftvollsten Übungen, die ich gelernt habe, ist Dankbarkeit. Anstatt nur darauf zu fokussieren, wie mein Körper aussieht und was falsch an ihm ist, habe ich begonnen darauf zu achten, was ich Dank meines Körpers alles machen kann. Zum Beispiel: „Ich bin dankbar, dass ich Dank meines Körpers laufen kann“. „Ich danke meinem Bauch, dass er mir ein Bauchgefühl schickt, dass er meine Organe beschützt und dass ich dank ihm lachen kann. Nach einem Besuch im Blindenmuseum war ich unendlich dankbar, dass ich sehen kann.

Es kann sein, dass es sich anfangs schwierig anfühlt, aber mach weiter. Du wirst sehen, dass es mit der Zeit leichter wird – und diese kleinen Momente der Dankbarkeit deinen Blick auf deinen Körper verändern werden.

5. Gestalte deinen Alltag bewusst positiv

Wie fühlst du dich, nachdem du Social Medias benutzt hast? Nachdem du dir Reels und Bilder von „perfekten“ Menschen mit „perfekten“ Routinen angeschaut hast? Es wirkt oft alles so real und diese Menschen wirken, als ob sie alles federleicht auf die Reihe kriegen würden, während man selbst mal wieder einen Essanfall hatte und beim Spiegelanblick nur weinen möchte. Sei dir bewusst, dass Social Media zum größten Teil eine Illusion ist und achte darauf nur noch Accounts zu folgen, die dich wirklich inspirieren und aufbauen. Folge Menschen, die Selbstakzeptanz, Vielfalt und Körperliebe verkörpern.

6. Trage Kleidung, die sich gut anfühlt

Bequeme Kleidung ist essenziell, um sich gut mit seinem Körper zu fühlen. Wenn du eine zu enge Hose trägst, wird dich dieses Gefühl sehr wahrscheinlich triggern und den Fokus immer wieder darauf richten, dass dein Körper nicht richtig ist. Ich erinnere mich, wie ich früher Kleidung getragen habe, die nicht bequem war, nur um einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Heute wähle ich Kleidung, die mir Freude macht und in der ich mich zu 100% wohlfühle und frei bewegen kann.

7. Hole dir Unterstützung, wenn du sie brauchst

Ich habe meinen Weg zur Körperliebe nicht alleine gefunden. Coaches, Workshops und Selbsthilfegruppen haben mir geholfen, alte Muster zu durchbrechen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, um Hilfe zu bitten – im Gegenteil, es zeigt, dass du den Mut hast, etwas zu ändern.

Mein Fazit: Liebe deinen Körper – Schritt für Schritt

Die Beziehung zu deinem Körper zu heilen, ist ein Prozess, der Zeit braucht. Sei geduldig mit dir selbst und feiere jeden kleinen Fortschritt.  Du bist nicht allein auf diesem Weg und wenn du Unterstützung möchtest, dann melde dich jederzeit bei mir.

Es ist nicht immer leicht, aber es ist`s so wert!

Alles liebe

Deine Julia

 

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