Was ist eine Essstörung? Definitionen, Symptome und warum sie entsteht
Essstörungen sind ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Warum? Weil ich selbst über 20 Jahre mit verschiedenen Essstörungen gekämpft habe und weiß, wie sich die Verzweiflung, die Scham und das Gefühl, dass sich das Leben nur noch ums Essen und den Körper dreht, anfühlt. Gleichzeitig habe ich auch erlebt, dass Heilung möglich ist und genau dabei helfe ich dir. Ich unterstütze Frauen, die sich aus der Spirale der Essstörung befreien möchten. In diesem Artikel möchte ich dir erklären, was eine Essstörung ist, welche Symptome es gibt und welche Arten von Essstörungen unterschieden werden.
Was ist eine Essstörung?
Eine Essstörung wird von der Definition her bezeichnet als: Ein von der Norm abweichendes Essverhalten. Der natürliche und freie Bezug zum Essen ist nicht vorhanden und das Essen bzw. nicht essen gerät immer mehr in den Fokus. Jedoch ist eine Essstörung viel mehr als "nur" ein Problem mit dem Essen. Sie ist ein verzweifelter Schrei nach Hilfe. Ein Schrei nach “Ich fühle mich ohnmächtig und überfordert mit all dem, was in meinem Leben passiert”.
Eine Essstörung ist nicht nur nicht essen oder zu viel essen. Sie ist wie ein Parasit, der sich einnistet - maskiert als gute Freundin, die nur helfen will - und systematisch das ganze Leben beeinflusst und die Lebensfreude mehr und mehr aus einem heraussaugt. Sie ist wie eine ständige Begleiterin. Sie ist das erste, an was man denkt, wenn man aufwacht und das letzte, wenn man einschläft. Sie ist ein Flüstern im Hinterkopf, das Dinge sagt wie: “Du bist nicht gut genug”, “Nur wenn du schlank bist, bist du etwas wert” oder sie ist ein lautes Schreien, das Sätze spuckt wie “Du bist so fett und undiszipliniert!!, “Keiner will dich”, “Du bist so eklig”, “Nichts kriegst du auf die Reihe”.
Und genau das ist der Punkt: Essstörungen zeichnen sich zwar durch ein gestörtes Essverhalten aus, jedoch bringen sie eine komplett verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers, des Selbstwertes und der Selbstwirksamkeit mit sich. Und deshalb bringt es bei der Heilung auch nichts sich einzig und allein auf die Nahrung und Essenspläne zu konzentrieren, denn sie betreffen nicht nur den Körper, sondern vor allem die Seele.
Typische Symptome einer Essstörung
Ich erinnere mich gut an die Zeit, als ich mich selbst in so gut wie jeder sozialen Situation unwohl fühlte, in der es ums Essen ging. Vielleicht kommt dir das bekannt vor. Essstörungen haben viele Gesichter, aber hier sind einige typische Symptome, die dir vielleicht helfen, eine Essstörung zu erkennen – bei dir selbst oder bei jemandem, der dir wichtig ist:
Ständige Gedanken um Essen und Gewicht: Essen wird zu einer Obsession. Es wird nur noch an Essen gedacht und darüber geredet, wann man isst bzw. was man heute nicht isst und wie viel man ab/zugenommen. Der eigene Wert scheint nur vom Körpergewicht abzuhängen.
Verzerrtes Körperbild: Das Spiegelbild oder Fotos werden immer kritisiert und man nimmt sich selbst als viel mehr wahr, als man in Wirklichkeit ist.
Verheimlichtes Essverhalten: Essen wird heimlich gegessen oder mit Scham verbunden oder auch komplett vermieden.
Emotionale Belastung: Gefühle wie Schuld, Scham und Angst begleiten jede Mahlzeit.
Körperliche Anzeichen: Gewichtsschwankungen, Schwindel, Frieren, Reizbarkeit, raue Hände, Haarverlust, Unkonzentriertheit oder ständige Müdigkeit können deutliche Hinweise sein
Die verschiedenen Arten von Essstörungen
1. Magersucht (Anorexia nervosa)
Bei der Magersucht geht es nicht nur um Gewicht, sondern um Kontrolle. Meist gab es irgendwo/irgendwann im Leben einen starken Kontrollverlust und das Einzige, was noch kontrollierbar war, war der Körper und das Essen. Und diese Kontrolle kann sich zu Beginn sehr mächtig anfühlen. Symptome sind:
Starkes Untergewicht
Angst vor Gewichtszunahme/ dünner Körper wird verleugnet
Strikte Kontrolle über Kalorien und Lebensmittel (Nahrung wird immer gewogen)
extremer Essensfokus ohne etwas zu essen (bereiten Essen für andere vor, ohne davon zu essen, ständiges Anschauen von Kochbüchern/Foodblogs, Essen wird versteckt oder weggeworfen)
Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Depressionen
2. Bulimie (Bulimia nervosa)
Bulimie ist ein ständiger Kampf zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. In kurzer Zeit werden enorme Mengen an Essen konsumiert (bis zu 15.000 kcal) und danach wieder erbrochen. Während meiner Zeit mit Bulimie habe ich täglich bis zu 3 Ess-Brechanfällen erlebt, gefolgt von nichts essen und einem permanenten Gefühl tiefer Scham. Typische Merkmale sind:
Extremer Fokus auf Essen
Ess-Brechattacken, oft heimlich und auch geplant
Kompensationsverhalten durch Laxantien (Abführmittel), Brechmitteln oder exzessiven Sport
Schwankungen im Gewicht
3. Binge-Eating-Störung (BES)
Bei der Binge-Eating-Störung erleben Betroffene unkontrollierbare Essanfälle, ohne danach kompensatorische Maßnahmen zu ergreifen. Das bedeutet, ohne zu brechen, exzessiven Sport oder Abführmittel zu nehmen. Oft weiß man einfach nicht, wie man mit all den Gefühlen umgehen soll und um sie nicht zu spüren, isst man, bis der Körper nur noch schmerzt. Symptome sind:
Regelmäßige Essanfälle ohne Kompensationsverhalten wie Brechen/ Abführmittel
Unkontrolliertes Essen großer Mengen abgewechselt mit strikten Diäten
Komplette Verzweiflung und das Gefühl den eigenen Körper nicht kontrollieren zu können
Scham und Selbstvorwürfe
Häufig (aber nicht immer) Gewichtszunahme und gesundheitliche Folgen
4. Atypische Essstörungen
Nicht alle Essstörungen passen in ein Schema. Es gibt auch Magersüchtige, die nicht im Untergewicht, sondern im Mehrgewicht sind. Es gibt Menschen mit Orthorexie, dem Zwang, "perfekt gesund" zu essen, welche oft als sehr gesundheitsbewusst durchrutschen und die sich ihrer Essstörung nicht bewusst sind oder Menschen mit dem Night-Eating-Syndrom. Auch ich habe in meinen schwierigsten Zeiten oft zwischen verschiedenen Typen gewechselt.
Warum entstehen Essstörungen?
Die Ursachen einer Essstörung sind komplex, und oft ist es eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. In unserer Gesellschaft, die enorm auf Körper und Schönheit fokussiert, wird vor allem Mädchen schon früh beigebracht, dass der Körper benutzt werden kann, um wertvoller zu werden. Es gibt jedoch unterschiedliche Faktoren, die zusammenspielen.Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Punkte wieder:
Biologische Faktoren: Genetik oder Hormonstörungen.
Psychische Faktoren: Depression oder traumatische Erfahrungen.
Kulturelle/Gesellschaftliche Einflüsse: Der Druck, einem unrealistischen Idealbild zu entsprechen.
Familiäre Einflüsse: Konflikte, unausgesprochene Erwartungen oder ein dysfunktionales Familienumfeld können Essstörungen begünstigen.
Soziale Dynamiken: Mobbing, Einsamkeit oder Probleme im sozialen Umfeld.
Stress und Leistungsdruck: Hohe Anforderungen in Schule, Beruf oder Sport können den Wunsch nach Kontrolle verstärken.
Medien und Werbung: Ständige Konfrontation mit Bildern von vermeintlicher "Perfektion" kann zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper führen.
Individuelle Erfahrungen: Traumata wie Missbrauch oder Vernachlässigung hinterlassen oft tiefe Spuren.
Persönlichkeitseigenschaften: Menschen, die sehr sensibel, perfektionistisch oder selbstkritisch sind, sind häufig anfälliger.
Meine Botschaft an dich
Ich möchte, dass du eines weißt: Du bist nicht allein. Ich habe jahrelang geglaubt, dass ich für immer mit der Essstörung leben muss und mir niemand helfen kann, aber das hat nicht gestimmt. Es gibt Hilfe, und es gibt Hoffnung. Heute arbeite ich als Coach, um Frauen dabei zu helfen, sich von ihren Essstörungen zu befreien und eine gesunde Beziehung zu ihrem Körper und zum Essen aufzubauen und wenn du dich in meinen Worten wiedererkennst, dann ist es jetzt die Zeit dir Hilfe zu holen. Melde dich gerne für ein kostenloses Klarheitsgespräch, in welchem wir herausfinden, wo du gerade stehst und was du brauchst, um die Essstörung hinter dir zu lassen. Du hast es verdient ein glückliches Leben frei von Essstörungen zu führen.
Es ist nicht immer leicht, aber es ist es so wert!
Alles Liebe
Deine Julia